1880 bis 1945 - Der Riesengebirgsverein

Die Gründung des Riesengebirgsvereins und die ersten Jahre

Theodor Donat (1844-1890) geb. in Tauchritz bei Görlitz, Buchhalter in Erdmannsdorf, gründete am 1. August 1880 im schlesischen Hirschberg den RGV. Von vielen wurde er als "Vater des Riesengebirgsvereins" bezeichnet.
Das Riesengebirgsprofil wurde von der RGV-OG Hirschberg am 03. Juli 1902 auf dem Cavalierberg eingeweiht.
Am 05. Juli 1900 wird auf der Schneekoppe das "Königliche Meteorologische Oberservatorium" eingeweiht. das 10jährige Wirken des RGV, besonders von Dr. Baer ("Riesengebirgs-Baer"), findet seinen krönenden Abschluss. Erster Angestellter in der Meteorologischen Station 1. Ordnung ist Herr von Kulesza, der aber bald von Ludwig Schwarz abgelöst wird.
Über den Eingang der Laurentius-Kapelle auf der Schneekoppe bringt die RGV-OG Berlin eine Gedenktafel für den Komponisten Gustav Reichardt an, der in dieser Kapelle das vaterländische Lied "Was ist des Deutschen Vaterland?" 1825 komponierte.
Am Ende des 19. Jahrhunderts setzt sich diese Form des Vereinsabzeichens durch. Das abgebildete Abzeichen stammt aus den 1920er Jahren.
Am 21. Juni 1897 verstirbt der Hauptvorssitzende des RGV Fiek. Landgerichtsrat Hugo Seydel erklärt sich bereit, bis zur nächsten Hauptversammlung den Verein kommissarisch zu leiten. Seydel bleibt bis 1921 Hauptvorsitzender. Unter Hugo Seydel erreicht der RGV seine größten Erfolge.
Am 9. Juni 1897 weiht der RGV auf der Burg Kynast ein Denkmal für den Freiheitskämpfer Theodor Körner ein.Auf dem Bild sind zu sehen: (von links) Halberstadt (RGV-Görlitz), der Bildhauer Daehmel, der die Körner-Plakette entworfen hatte, Dr. Nenntwich und Hygo Seydel. Rechts vom Bildnis Cörners stehen R. Cogho und der RGV-Schriftsteller Oswald Baer. (Das Foto stellte uns das Muzeum Karkonoski Jelenia Gora zur Verfügung)
Später wird das Denkmal auf den Apotheker Fiek aus Hirschberg erweitert, der nach Bassenge dem RGV als Hauptvorsitzender Vorstand. Der Zaun um das Denkmal ist ein ein Werk der Holzschnitzschule Warmbrunn, die ebenfalls mehr oder weniger ein Ergebnis des Wirkens des RGV ist.
Im November 1890 versterben kurz hintereinander der RGV-Vorsitzende Bassenge und der Gründer des RGV, Theodor Donat. Am 23. Juli 1893 wird ein dem Gründer des Vereins gewidmetes Denkmal am Großen Teich eingeweiht. Es besteht aus einem Erdhügel, auf dem alle RGV-Ortsgruppen einen Stein platzieren. Sogar die Ortsgruppe New York (!) spendete einen Stein.
Im Jahre 1892 entstehen in Petersdorf und in Brückenberg die ersten Schüler- und Studentenherbergen des RGV, lange bevor die Jugendherbergen entstanden. Hier das Haus "Berghähnlein", das in den 1920er Jahren nahe der Schlingelbaude entstand.
Am 22. Juli 1890 wird die vom RGV errichtete Zackelklamm unter großer Beteiligung der Einwohner von Schreiberhau und von vielen RGV-Mitgliedern und Kurgästen eingeweiht.
Am 8. August 1886 errichtet der RGV in Hain am Hainwasser eine Gedenktafel für den Riesengebirgsmaler Adolf Dreßler.
Am 3. Juli 1881 erschien die erste Ausgabe der Vereinszeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge". Schriftführer war damals Th. Donat. Das Amt legt er 1885 nieder.
Erster Hauptvorsitzender des RGV war der Hirschberger Bürgermeister Bassenge. Th. Donat wurde sein Stellvertreter.
Ein frühes RGV-Abzeichen. Einheitliche Festlegungen gab es damals noch nicht.
Am 6. Oktober wird eine Gedenktafel für den ehemaligen Schriftleiter der Zeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge", Paul Scholz, an den Kesselsteinen (heute Kocioli) bei Kiesewald eingeweiht.

Das 25jährige (silberne) RGV-Jubiläum

Vom 12. bis 14. Juni 1905 feierte der RGV sein 25jähriges Jubiläum. Hier die Titelseite der Festnummer der Zeitschrift "Der Wanderer im Riesengebirge".
Zum Fest wurde ein Festspiel "Berggeister" vom Hirschberger Dichter Hermann Hoppe aufgeführt.
Zum Jubiläum des RGV wurden auch verschiedene Ansichtskarten herausgegeben. Auf der Rückseite dieser Ansichtskarte...
... sind vier zum Jubiläum herausgegebene Vignetten aufgeklebt. Der Wert zu 2 Pf. zeigt Hörnerschlittenfahrer an der winterlichen Peterbaude, der Wert zu 3 Pf. zeigt den Herrn der Berge Rübezahl, der Wert zu 5 Pf. zeigt den Prinzen Heinrich und der Wert zu 10 Pf. zeigt die Schneekoppe mit Riesenbaude.
Eine andere Karte zeigt die den Riesenkamm mit Schneekoppe.
Diese Karte zeigt die Schneegrubenbaude.
Höhepunkt der Feierlichkeiten war aber das Treffem am Montag den 14. Juni 1905 auf der Schneekoppe... (Foto: Muzeum Karkonoski in Jelenia Gora)
... um den Jubiläumsweg einzuweihen. Damit fand die Arbeit des RGV zur Neuanlegung von Wanderwegen im Riesengebirge im Wesentlichen seinen Abschluss. Die Arbeiten konzentrierten sich nun vordringlich auf die Erhaltung und Verbesserung der vorhandenen Wanderwege.

Die RGV-Landesgruppe Sachsen

1906 gründete sich die RGV-Ortsgruppe Dresden, nachdem sie schon einmal früher existierte, erneut. Aus dieser Ortsgruppe ging später die RGV-Landesgruppe Sachsen hervor, die im RGV einen Sonderstatus inne hatte.
Die Landesgruppe Sachsen umfasste die OG Dresden, Sebnitz, Bautzen, Zittau, Löbau, Leipzig (die OG existierte schon früher) und Ebersbach.
Die Landesgruppe Sachsen gab Wanderkarten und Wanderführer heraus...
... verfügte über eigene Abzeichen.
Hier das silberne Ehrenzeichen...
... und verfügte über eine Skiabteilung.
Neben dem "Wanderer" gabe die Landesgruppe auch eine eigene Zeitschrift heraus.
Führender "Kopf" der Landesgruppe bis zu seinem Tode war der Dresdener Kaufmann Oskar Beyer.
Auf dem Brunnberg im Riesengebirge war Oskar Beyer eine Bank mit Blick in den Riesengrund gewidmet. Heute ist dieser Bereich strengstens geschützt.
 

Die Schaffung des RGV-Museums in Hirschberg

In der ersten Jahreshälfte 1906 errichtete die OG Breslau aus Anlass ihres silbernen Jubiläums eine steinerne Bank auf dem Kamm des Riesengebirges in unmittelbarer Nähe des Mittagsteines.
Das Riesengebirgshaus.
Das Patrizierhaus am Museum.
Im Riesengebirgshaus.
Das Museum war ein Werk des Baurates Grosser aus Breslau. Das erste und größte Heimatmuseum seiner Art.
Die Museumseröffnung erfolgte am 14. April 1914. Auf dem Bild ist der sechste von links der RGV-Hauptvorsitzende Hugo Seydel.
So sollte das Museum ursprünglich aussehen.
Zum Bau des neuen Museums wurden Schuldverschreibungen aufgelegt und Spenden eingesammelt. Auch Gerhart Hauptmann. RGV-Mitglied der Gruppe Agnetendorf, beteiligte sich mit einem ansehnlichen Betrag.
Die RGV-Hauptversammlung in Görlitz 1909, hier der Veranstaltungsort, die "Ressource", beschloss auf Antrag des Hauptvorstandes, in Hirschberg ein repräsentatives Museumsgebäude zu errichten.
Schon im Jahre 1888 wurde beschlossen, ein RGV-Heimatmuseum zu schaffen. Das Museum des RGV wurde am 02. Juni 1889 in einem Zimmer des Hirschberger Gymnasiums eröffnet. Der Größe wegen zog das Museum in den Folgejahren mehrmals um.
Die aufgeführten Namen Prof. Körber (Vorsitzender der RGV-OG), Schulrat Handloß (damaliger Schriftführer) Rentner Schultze (ehemaliger Schatzmeister) künden von den Verantwortlichen zur damaligen Zeit. Die Körberbank ist heute das einzige Symbol im Riesengebirge, das direkt mit Namen vom Schaffen des RGV zeugt.
Die Eingangshalle im Museum. Wenige Tage nach der Einweihung begann der 1. WK, der nicht nur für den RGV alles veränderte.

Der Riesengebirgsverein in den 1920er Jahren

Auf der 42. Hauptversammlung des RGV am 6. Juni 1922 legt Dr. Hugo Seydel sein Amt als Hauptvorsitzender nieder. Neuer Vorsitzender wird der Hirschberger Bürgermeister Hartung. Die Arbeitsbedingungen für den RGV haben sich wesentlich verschlechtert.
Der zuhnemende Tourismus im Gebirge und das gewachsene Bewußtsein für den Natur- und Landschaftsschutz veranlasste der Riesengebirgesverein, im Juni 1927 die "Bergwacht" zu gründen.
Mit der Haufuderbaude errichteten sich die Ortsgruppe Bad Flinsberg und ihre Vorsitzender Dr. Siebelt ein Denkmal und auch heute, viele Jahre später, wird an der Baude an Dr. Siebelt erinnert.
In der Baude gab es auch ein RGV-Zimmer. 1926 wurde in einer Hütte neben der Baude eine Jugendherberge des RGV eingerichtet.
Am 25. Oktober 1924 wurde die einzige durch den RGV errichtete Gebirgsbaude eingeweiht, aber nicht im Riesengebirge, sondern im Isergebirge. Hier ein Blick in die Gaststube der Baude.
Ohne die Fam. Schaffgotsch und weiteren freiwilligen Spendern, die solche Schuldverschreibungen kauften, wäre das Werk wohl nicht gelungen.
In einer wirtschaftlich sehr schwierigen Zeit wurde durch die RGV-Ortsgruppe Bad Flinsberg in Kooperation mit dem Hauptverein die Heufuderbaude oberhalb von Bad Flinsberg errichtet.
Obwohl das Geld knapp war, stand die Aufgabe, das vorhandene Wegenetz zu erhalten und auszubauen. Solche "amtlichen Wegebaupostkarten" trugen dazu bei, etwas Geld für den Ausbau der Wanderwege aufzubringen. Hinzu kommt, dass gerade in den 1920er Jahren die Wanderbewegung einen massenhaften Aufschwung nahm.
Obwohl das Wegenetz im Riesengebirge durch den RGV seit Ende des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen ausgebaut war, stand nun die Aufgabe darin, das Geschaffene zu erhalten.
Prof. Dr. Nafe wird am 22. Mai 1923 zum Hauptvorsitzenden des RGv gewählt.
Mit der Nr. 462 des "Wanderers", die im Januar 1922 erscheint, geht die Vereinszeitschrift an den Verlag Gottl. Korn in Breslau über. Ein Jahr später liegt die gesamte Verantwortung für den "Wanderer" beim Verlag Gottl. Korn in Breslau. Neuer Schriftleiter wird Dr. Gruhn.
Die finanzkräftigen Mitglieder sind nicht mehr dabei, das Wandern im Gebirge steht nun vermehrt im Mittelpunkt. Hier die 1922 eröffnete Büchting-Herberge des RGV am Hirschberger Schützenplatz.
Hier das Abzeichen der "Bergwacht". "Ihr Zweck ist der Schutz der Heimat, besonders der heimischen Berge gegen Schädigungen aller Art, der Schutz der Pflanzenwelt, der Schutz der Tierwelt und der Schutz der guten Wandersitten." Als erster Vorsitzender wird der Hirschberger Kaufmann Ulrich siegert eingesetzt, der sich bisher um das Studentenherbergswesen des RGV kümmerte.
 

50 Jahre Riesengebirgsverein

Der RGV begeht vom 14. bis 17. Juni in Hirschberg und Warmbrunn sein 50jähriges Jubiläum.
Die Feier fällt vergleichsweise bescheiden aus. Dessen ungeachtet kann der RGV Stolz auf das Erreichte sein.
Auch dem Gründer des RGV, Theodor Donat, gedenkt man mit einen Ehrenmal im Schloßgarten von Erdmannsdorf. Dieses Ehrenmal ist auch heute noch, etwas verändert, in Myslakowice zu sehen.
Die RGV-Landesgruppe Sachsen stiftete dem Gesamtverein zum 50jährigen Jubiläum einen aus Meißner Porzellan gefertigten Rübezahl. Diese Figur ist heute noch im Bestand des Riesengebirgsmuseums.
 

Der Riesengebirsverein in der Zeit des Nationalsozialismus und im Krieg

Am 28. Dezember 1930 verstirbt der Hauptvorsitzende des RGV, Prof. Nafe. Am 31. Mai 1931 wird auf der 51. Hauptversammlung Studierat Dr. Lampp zum neuen Vorsitzenden gewählt. Dr. Lampp behält dieses Amt als Vorsitzender bzw. als amtierender Geschäftsführer bis 1945 inne. 1932 wird der RGV Mitglied im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine.
Mit Kriegsende verloren die deutschen Schlesier ihre Heimat und der RGV sein Betreuungsgebiet.
Mit der vorliegenden Nummer des "Wanderers" wurde das Erscheinen der Vereinszeitschrift eingestellt. Gegen Kriegsende durfte im Gebirge kaum noch gewandert werden.
Der RGV hatte eine neue Aufgabe erhalten: Weihnachtsgrüße an die Mitglieder, die in den Krieg mussten.
Treffen der RGV-Vorstände aus Hirschberg und Hohenelbe (ca. 1938-39). Der Riesengebirgsverein in der Tschechoslowakei ging nach der Besetzung des Sudetenlandes in den deutschen RGV ein.
Der Wandertag ging zu Ende und der furchtbare 2. WK begann.
Trachtenleute aus Seidorf im Riesengebirge während des Festumzuges.
Der Festwagen des RGV während des Festumzuges zum Wandertag in Hirschberg.
Der Wandertagswimpel.
Alfred Höhne (RGV) holt die Vertreter des Schwäbischen Alpvereins vom Bahnhof Hirschberg ab.
Das Wandertagsabzeichen wurde zur Unterstreichung des "Großdeutschen Wandertages" in Gablonz gefertigt.
Vom 13. bis 16. Juli 1939 wurde in Hirschberg der 48. Deutsche Wandertag durchgeführt, organisiert vom RGV. Die Nazis machten daraus den "1. Großdeutschen Wandertag".
Dieses Wimpelband erhielten alle anwesenden Wimpelgruppen.
Im Mai 1937 wird in Liebenthal der 57. Vereinstag durchgeführt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden die RGV-Fahne und Wimpel der RGV-OG geweiht. Auf dem Bild in der Mitte, der RGV-Vorsitzende Dr. Lampp. links davon Dr. Werner, "Reichswanderführer" und rechts von Dr. Lampp Alfred Höhne, Hauptschatzmeister des RGV.
Im Februar 1934 tritt im RGV eine neue Satzung in Kraft. Im § 20 heißt es: "Wer Mitglied des Vereins werden will, muss arischer Abstammung sein, und hat dies im Aufnahmegesuch zu versichern. Der Begriff der arischen Abstammung ist nach den bestehenden reichsgesetzlichen Bestimmungen zu beurteilen. Nichtarier können grundsätzlich nicht Mitglied des Vereins bleiben..."
Im Sommer 1933 findet im Gebirge und in den Gebirgsgemeinden der erste und einzige Sammeltag des RGV statt. Dieser Sammeltag diente dazu, Geld für die notwendigen Wegeerneuerungen zu sammeln.
Obwohl der RGV seit seiner Gründung ein unpolitischer Verein war, bekennt sich der Hauptvorstand im April 1933 zur Politik A. Hitlers und lässt sich damit Gleichschalten. ("Wanderer", 1. Mai 1933, S. 85)