Chronik der Ortsgruppe Leipzig

Die Ortsgruppe Leipzig stellt sich vor

Im Jahr 1891 gründete sich in Leipzig eine Ortsgruppe des Riesengebirgsvereins (RGV), es war die 63ste und kam bereits im Gründungsjahr auf 67 Mitglieder.

„Es war am 14. Januar 1891, als eine kleine Schar von etwa 12 Herren, meist Schlesier, auf Einladung des eigentlichen Begründers unserer Ortsgruppe, des Herrn Rentner P. Lehmann, zusammentrat, um sich zu einer Ortsgruppe Leipzig des R.-G.-V. zusammenzuschließen.“ („Wanderer im Riesengebirge“ 6/1901)

Der Rentner Herr Lehmann und Herr Rechtsanwalt Schulze vom Reichsgericht übernahmen den Vorsitz der OG. Die Mitgliederzahl stieg stetig an (1895: 96, 1901: 110 Mitglieder). Im Jahresbericht der OG Leipzig von 1900 wurde u. a. die Mitgliederdynamik dargestellt. Neben den Neuzugängen waren auch Abgänge (meist durch Tod) zu registrieren. Zu den Verstorbenen gehörten Herr Lehmann (1. Vorsitzender), Herr Schulze (2. Vorsitzender) und Herr Selle (Kassenwart).
Die Verantwortung für die OG trugen danach Herr Stadtrat Nagel und Herr Kaufmann Thamm. Die „Berufsbilder“ wurden hier bewußt zu den angeführten Namen gefügt, weil vorwiegend höhergestellte Personen Mitglieder der OG waren.

1897 herrschte im Riesengebirge eine verheerende Hochwassersituation. Die OG Leipzig trat mit dem Appell zur Unterstützung der schwer geschädigten Bewohner an die Öffentlichkeit und erzielte einen großen Erfolg in der Anteilnahme und Opferbereitschaft.

Die Vereinsarbeit im allgemeinen verlief schlicht, im Sommer Wanderungen und Mitgliederversammlungen „im Freien“; im Winter Vortrags- und Familienabende. Anliegen war bereits in frühen Jahren des Bestehens, Naturliebhaber Deutschlands für das Gebirge zu sensibilisieren:

„Geleitet von dem Wunsche, das schönste und herrlichste Mittelgebirge Deutschlands, das Riesengebirge, immer mehr in weiteren Kreisen von Naturfreunden bekannt zu machen, beabsichtigt die Ortsgruppe Leipzig des R.G.V. eine Ausstellung bildlicher Darstellungen und industrieller Erzeugnisse des Riesengebirges im Mai 1903 zu veranstalten ... Die Ausstellung soll(e) der Heimat dienen und die Kenntnis des Riesengebirges verbreiten.“ („Wanderer im Riesengebirge“ 3/1903 u. 7/1903)

Die Dauer der Ausstellung sollte 10 Tage betragen. Die Eröffnung fand in Gegenwart des Leipziger Oberbürgermeisters, Herrn Justizrat Dr. Tröndlin, sowie von Bürgermeistern und Stadträten statt.

Leipzig als attraktive Groß-, Universitäts-, Buchstadt hatte bereits über Jahrhunderte Anziehungskraft für Interessenten aus ganz Deutschland. So waren hier auch viele Schlesier. Unter anderem wirkten die gebürtigen Schlesier Paul Gerhardt (1607-1676) und Gustav Freytag (1816-1895) in Leipzig und Umgebung.

Die OG Leipzig hatte „nach außen“ sehr gute Verbindungen, z.B.

  • diverse Treffen mit dem Hauptvorstand in Hirschberg,
  • Beteiligung an der Wanderwegegestaltung im Riesengebirge,
  • Mitglied der Landesgruppe Sachsen ab 1923.

Weitere Meilensteine der Historie der OG waren

  • der „Herrenkommers“ am 23.02.1931 als Vorfeier zum 40. Stiftungsfest mit der Teilnahme führender Vertreter der Landesgruppe Sachsen,
  • das 40jährige Stiftungsfest am 28.02.1931, vorbereitet von RGV-Schwestern und –Brüdern, ein Fest, das nach Aussagen der Teilnehmenden Ewigkeitscharakter besitzen sollte (Gewürdigt wurde die Wieder- belebung der OG- Arbeit, da es im Zeitraum des 1. Weltkrieges eine „Ruhephase“ gegeben hatte. Seitens des Hauptvereins wurde die enge Zusammenarbeit mit der OG Leipzig lobend hervorgehoben und die Freude zum Ausdruck gebracht, daß der Sohn des Begründers des RGV (Theodor Donat), Mitglied der OG Leipzig ist. Spontan, aus dem Wissen, daß erfolgreiche Arbeit nur mit jungen Menschen fortgeführt werden kann, bildete sich eine Jugendgruppe innerhalb der OG Leipzig:
    „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.“ („Grüß Rübezahl“, Zeitschrift des RGV, Landesgruppe Sachsen e. V., 1930),
  • die Herrenwanderung vom 21. bis 26.09.1930 ins Riesengebirge,
  • die Herrenwanderung vom 06. bis 12.09.1931, für die sich 6 Wanderfreunde entschlossen, eine umfang- reiche Riesengebirgswanderung und –fahrt in erlebnisreichen Etappen durchzuführen.

Obwohl sich der RGV als unpolitische Vereinigung sah, nahm in der Zeit des Nationalsozialismus die Beeinflussung durch die „braune Ideologie“ zu, und während des 2. Weltkrieges kam die Arbeit im Gesamt- verein wie in den Ortsgruppen zum Erliegen.

Nach Kriegsende 1945 kamen die Schlesier in viele Regionen der Besatzungszonen. Damit begann in unterschiedlichen Schritten die Tätigkeit des RGV erneut. In Leipzig gründete sich 2002 wieder eine OG.

„Geistiger Vater“ der Wiedergründung war Wanderfreund Joachim Kopbauer (2001, zu damaliger Zeit Hauptvorsitzender des RGV). Der RGV-Hauptvorstand bot Hilfe an, und in den Personen Jochen Kopbauer (Düsseldorf), Horst Herr (Görlitz) und Walter Hofer (Dresden) fanden die Leipziger kompetente Informanten zur Beantwortung ihrer Fragen.

Am 08. März 2002 konstituierte sich eine kleine Versammlung zur Wiedergründung. Sechs Leipziger voll- zogen mit Jochen Kopbauer als Gast diesen Schritt. Den Vorsitz der OG Leipzig übernahm Wanderfreund (Wdfr.) Peter Mühlichen. Nun galt es, ein interessantes Wanderleben zu organisieren, um die Mitglieder (2002 waren es 21) nicht zu enttäuschen.

Naturgemäß war 2003 neben den monatlich durchgeführten Tageswanderungen in näherer und weiterer Umgebung von Leipzig eine Wanderwoche im Riesengebirge ein „Muß“ und führte nach Spindlermühle,
2004 dann nach Krummhübel. Als ein Großteil der OG-Mitglieder 2005 in Harrachov die Wanderwoche verbrachte, Ausflüge zur Schneekoppe, zur Elbquelle und zu anderen Zielen unternahm, wurden viele Erinnerungen an 2003 wach.

In der Dynamik der Mitgliederbewegung verzeichnete auch die OG Leipzig Abgänge/Austritte aus verschiedensten Gründen. Neuzugänge überwogen jedoch.

Aktiv für die Mitglieder der OG waren bzw. sind die Wanderfreunde Peter Mühlichen, Horst Köpper, Karl-Heinz Drescher (ausgeschieden), Lienhard Jänsch (ausgeschieden), Heinz Krüger, Eckhard Hegner und Hans-Joachim Hörenz. Letzterer wurde 2006 zum Vorsitzenden gewählt, da Wdfr. Mühlichen aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen wollte.

Die Mitgliederentwicklung vollzog sich bisher wie folgt:

2002200420062008  2009
21242831     37

Die überschaubare Größe der OG vermittelt einen engen Zusammenhalt der Gleichgesinnten, was sich vor allem in der Beteiligung an den Wanderwochen ausdrückt. Bei durchschnittlicher Teilnahme von 18 bis 22 Personen erinnern sich die Teilnehmer gern an folgende Wanderwochen:

2003 Spindlermühle/Tschechien
2004 Krummhübel/Polen
2005 Harrachsdorf/Tschechien
2006 Stubaital/Österreich
2007 Seefeld/Österreich
2008 Tuxer Alpen/Österreich
2009 Oberhof
2010 Lüneburger Heide

Die OG führt seit 2002 eine Chronik. Sehr interessant ist es, die Jahre „zurückzublättern“. Von jeder Monatswanderung wird vom jeweiligen Wanderleiter (Einbeziehung vieler Mitglieder als Tageswanderleiter) Material für die Chronik geliefert und verantwortungsvoll von Wdfrn. Käthe Mühlichen in den Chronikfundus einbezogen. So macht Mitgliedschaft Freude!

Ein besonderes Erlebnis für die OG, aber vor allem für den Gesamt-RGV, war das Mitgliedertreffen 2008 in Leipzig. Durch den OG-Vorstand 2005 zugesagt, sollte es 2007 oder 2008 in Leipzig stattfinden. Die Leipziger Mitglieder entschieden sich für 2008. Ziel war es, den Mitgliedern der Gast-Ortsgruppen angenehme und inhaltsreiche Tage zu bieten, die Stadt Leipzig und ihre Umgebung in ihrer Gegenwart und z. T. Historie vorzustellen und nicht zuletzt einen Beitrag zur RGV-Zusammengehörigkeit zu leisten.

Einhellige Meinung der Teilnehmer des Treffens war, dass sie sich in Leipzig wohlgefühlt haben, neue Bekanntschaften schließen und evtl. die eine oder andere Voreingenommenheit abbauen konnten. Ein wenig stolz sind wir schon auf diese nicht alltägliche Aufgabenbewältigung, und wir hoffen, daß wir damit auch das Image der OG Leipzig im Gesamt-RGV verändert haben.

2009 war für die Mitglieder der OG ein erfolgreiches Wanderjahr. Die vorgesehenen Wanderungen, verbunden mit Wissensvermittlung, wurden sehr gut organisiert und angenommen - das zeigte sich stets in der Teilnehmerzahl.
Der Höhepunkt war die Wanderwoche in Oberhof/Thüringen. An fünf Wandertagen wurden ca. 100 km bewältigt. Der Rennsteig, die Oberhofer Sportstätten, die Wälder der Umgebung hinterließen einen bleibenden Eindruck. Die Gemeinschaft der OG wurde weiter gefestigt.

Am Mitgliedertreffen 2009 des RGV in Düsseldorf/Mettmann nahm die OG mit 8 Personen teil. Für alle war es ein schönes Erlebnis, lernten wir doch ein bisher unbekanntes Terrain Deutschlands kennen.