










Bad Flinsberg ist eine Reise wert – das erlebten wir während unserer Wanderwoche vom 28. August bis 04. September 2011
„Oh Wandern, Wandern, meine Lust...“
– mehrfach wurde das eine oder andere Lied angestimmt. Die sangesfreudigen Wanderinnen hofften auf die Mitwirkung der Gesamtgruppe, doch den männlichen Mitstreitern war beim Bewältigen der vorgesehenen Wanderkilometer nicht unbedingt nach Mitsingen zumute, bei manch anderer/anderem reichte die Luft nur für die Strecke und nicht für das Lied auf den Lippen – aber nichtsdestotrotz bewegte sich unsere 25köpfige Wandergruppe frohgemut auf den Wanderwegen rund um Bad Flinsberg (Świeradów Zdrój) im Isergebirge und nahm dabei ca. 65 km unter die Stiefel. (Unser „junger“ Wanderleiter Roland sammelte in der Beherrschung der Streckenverläufe und im Voranschreiten erfolgreich Meriten, und die „Schlußläufer“ Uwe und Hans-Joachim waren zuverlässig um ein gutes Tempo, die erforderlichenfalls medizinische Versorgung und den Ausschluß von „Schwund“ bemüht.)
Fünf Wandertage und ein freier Tag waren von freundlichstem Wetter begleitet. Teils zwar von raschen Wechseln von warm auf kalt bestimmt, die schnelle Reaktion erforderten (erkälten wollte sich schließlich keiner!), blieb uns völlig das Ausprobieren der Regenkleidung erspart. Der Abreisetag wurde dann sogar noch so heiß, wie wir uns auf keinen Fall die Wandertemperaturen gewünscht hätten. Angereist waren und heimgebracht wurden wir mit einem polnischen Bus, in dem wir von Tadeusz sicher chauffiert wurden.
Vorzügliches Quartier hatten wir im „Haus Eichendorff“ bzw. „Dębowy Dwór“ (www.Haus-Eichendorff.de) gefunden. Gemütliche, liebevoll eingerichtete Zimmer überzeugten uns, daß zum Wohlbefinden kein 5-Sterne-Hotel gehören muß. Das Flüßchen Santa Maria schlängelt sich durch den gepflegten Garten, der uns für die wanderfreie Zeit idyllische Ruheplätzchen bot.
Doch auch das physiotherapeutische Angebot wurde gern von uns in Anspruch genommen. Im anheimelnden Restaurant ließen wir uns morgens mit einem vielfältigen, abwechslungsreichen Frühstück verwöhnen, und abends erwartete uns eine stets schmackhafte Drei-Gänge-Mahlzeit.
Zu verdanken hatten wir das „Wohlfühlprogramm mit Familienanschluß“ Frau Malgorzata Chuderska mit ihrem immer freundlichen, fleißigen, stets auf das Wohlergehen der Gäste bedachten kleinen, aber um so zuverlässigeren Team! Selbst Hund (die blinde und von mehreren Krankheiten gezeichnete Hündin Silka) und Katze (der unternehmungslustige, anschlußfreudige Kater Rudolf) sind im „Haus Eichendorff“ nach dem ersten Kennenlernen aus dem Familienanschluß nicht mehr wegzudenken.
Bad Flinsberg entwickelte sich im 18. und 19. Jahrhundert dank der nach und nach entdeckten Heilquellen und der Mooranwendungsmöglichkeiten zu einem bekannten Kurort, ebenso wie der Nachbarort Bad Schwarzbach. Seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ist Bad Schwarzbach eingemeindet worden, und die Hotels und Kurhäuser wetteifern um die Gunst der Touristen und Kurgäste. In der Zdrojowa – der Hauptstraße – reihen sich abwechslungsreich kleine Geschäfte aneinander, ergänzt durch Tische fliegender Händler an jeder freien Ecke. Das den Ort dominierende Kurhaus enthält die längste Wandelhalle im Sudetenraum, die neben dem Ausschank geprüften Quellwassers diverse Annehmlichkeiten der Freizeitgestaltung durch Cafébetrieb, Galerienangebot, Großfeldschach, abendliche Veranstaltungen bietet.
Unsere Vorstellungen von der Schönheit des Isergebirges wurden an unseren Wandertagen noch weit übertroffen. Ausgedehnte Wälder bedecken die Berge, überall plätschert Wasser zu Tal, immer wieder eröffnen sich überraschende Ausblicke auf die Kammverläufe des Riesengebirges oder auf den Kemnitzkamm.
Der Queis (die Kwisa) mit seinen Zuflüssen taucht immer wieder am Wegesrand auf. Vom Hohen Iserkamm aus mit dem Heufuder begeistern westwärts die Sichten auf die tschechischen Bergzüge des Isergebirges... – bedauerlich, wie rasch eine Wanderwoche um ist! Nicht zuletzt kann und soll aber durchaus eine Woche in der Gemeinschaft der Wanderfreunde auch die Lust auf eigene Unternehmungen und Ziele wecken! Der eine oder andere von uns wird sicherlich in absehbarer Zeit wieder das Wanderkartenmaterial studieren, Kontakt mit dem Team von Frau Chuderska aufnehmen und jetzt Erlebtes auffrischen sowie Neues entdecken, zumal durchaus auch preiswerte Ausflugsangebote auf vier Rädern in die weitere Umgebung locken.







Um 9°° Uhr hatten sich 26 Wanderlustige, unter ihnen besonders begrüßt der Hauptvorsitzende des Riesengebirgsvereines Werner Adolph mit Gattin, im Hauptbahnhof versammelt und fuhren sieben Minuten später mit dem Regionalexpress nach Torgau.
Bei dem, für die Jahreszeit, herrlichen Sonnenschein ging es vom Bahnhof über den „Schwarzen Graben“ durch eine langgestreckte Parkanlage am westlichen Rand der Torgauer Altstadt entlang. Durch die Thomas-Münzer-Straße zwischen Gärten und Einfamilienhäusern hindurch konnten wir bis zu einer Pferdekoppel laufen.
Dann war Ende. Vor uns über den Weg war durch das Hochwasser eine kleine Pfütze entstanden. Die war mindestens 20 m breit und auch etwas tiefer, wie Uwe ergründet hat. Also kehrt marsch und an der Hauptstraße entlang zum „Großen Teich“. Der wurde ca. 1470 als Fischteich angelegt und ist dies auch bis heute noch.
Auf dem Damm zwischen Teich und „Schwarzen Graben“ wurde an der Naturschutzstation „Biberhof“ eine Rast eingelegt. Am „Biberhof“ sind viele Schautafeln, verschiedene Nistkästen für Vögel, zwei unterschiedliche Insektenhotels und ein Kräutergarten zu besichtigen.
Am Ende vom Teich überquerten wir die Hauptstraße und kamen den „Gänseweg“ entlang durch eine Randsiedlung von Loßwig. Nach ca. 300 m hatten wir das alte Dorf Loßwig erreicht. Das Dorf ist sehr sauber und zeigt sich in einem gepflegten Zustand.
Bei der Straße „An den Linden“ hatten wir die Möglichkeit, die Loßwiger Kirche unter fachkundiger Anleitung bis zum Glockenstuhl zu ergründen. Sie ist in ihrer dörflichen Schlichtheit durch Spenden von außen und Eigenleistungen der Bürger sehr gut hergerichtet.
Um die Ecke wartete im Gasthof Loßwig das Mittagessen. Pünktlich um 12³° Uhr wurde für uns die Tür geöffnet und extra wegen uns Gulasch, Schnitzel, Kaninchen und Roulade zubereitet.
Nach der Abfütterung hatten wir um die Ecke des Gasthofes auf dem Elbe-Radweg einen herrlichen Blick auf die Silhouette der Stadt Torgau. Den Weg entlang überquerten wir die Hafenbrücke und hatten rechts das Hochwasser der Elbe im Blick.
Weiter, am Denkmal der amerikanisch-sowjetischen Begegnung vorbei, wollten wir noch kurz das Schloss Hartenfels besuchen. Das Renaissanceschloss mit seinem prächtigen Wendelstein zählt zu den Meisterwerken deutscher Baukunst. Wir hatten die Gelegenheit, die von Luther eingeweihte Schlosskapelle zu besichtigen. Durch die Schlossstraße verweilten wir noch einige Zeit auf dem Markt. Danach zogen sich alle gemeinsam zum Bahnhof zurück um pünktlich 17°° Uhr in Leipzig wieder an zu kommen.