RGV-Jugend in Schlesien und dem Riesengebirge

Die Kinder, Enkel- und Schwiegerkinder, alle Mitglieder des RGV, hatten großes Interesse, die Heimat des RGV-Hauptvorsitzenden und das Riesengebirge kennenzulernen.
Hier der Bericht eines Schwiegersohnes;

14.7. 2007

Nach getrennter Anfahrt kamen alle vier Familien ziemlich zeitnah am Quartier in Görlitz an, so daß wir gemeinsam einen kleinen Stadtbummel mit anschließendem Mittagessen unternahmen. Danach machten Jochen und ich einen Ausflug zur Landskronbrauerei, wo wir an einer wirklich interessanten Brauereibesichtigung teilnahmen. Währenddessen machte der Rest von uns einen kleinen Abstecher nach Polen. Nachmittags trafen wir uns dann wieder zu einem kleinen Stadtrundgang unter Führung von Horst Herr, Archivar des RGV, der uns die Sehenswürdigkeiten von Görlitz zeigte. Den Abend ließen wir dann bei leckerem Essen und Trinken in der östlichsten Gaststätte Deutschlands, der Vierradenmühle, ausklingen.

15.7.2007

Am Sonntag ging es nach einem guten Frühstück, wieder unter Führung von Horst Herr, mit dem Auto weiter nach Polen und die Tschechische Republik ins Riesengebirge. In Spindelmühle nahmen wir dann Abschied von Horst und seiner Frau Elisabeth, die wieder zurück nach Görlitz fuhren. Die letzten Kilometer zur Erlebachbaude legten wir dann alleine zurück.
Als die Autos leer geräumt und die Zimmer bezogen waren, und wir uns ein wenig gestärkt hatten, unternahmen wir die erste Wanderung. Über die Daftebaude ging es zur Peterbaude und weiter über die Spindlerbaude zurück zur Erlebachbaude. Den Abend ließen wir bei leckerem Budweiser und exzellenter böhmischer Küche ausklingen.

16.7.2007

Aufgrund der Wetterlage - strahlend blauer Himmel - entschieden wir uns, zur Schneekoppe zu fahren. Daniel von der Rezeption gab uns den Tipp, mit dem Bus nach Spindelmühle und von dort weiter nach Petzer zu fahren. Somit ging auch Doris und Jochens größter Wunsch, mit allen zusammen von der Schneekoppe über den Kamm zur Erlebachbaude zu wandern, in Erfüllung.
Nach einer knapp zweistündigen Busfahrt kamen wir in Petzer an und marschierten zur Talstation der Bergbahn. Dort mussten wir uns wegen des schönen Wetters in eine lange Schlange stellen. Aber wir hatten ja Urlaub und genug Zeit. Irgendwann waren auch wir dran und fuhren nach oben.
Der Ausblick von der Schneekoppe war bei diesem Wetter einfach grandios. Allerdings ging es dort oben sehr turbulent zu. Ganze Schlangen von Menschen bevölkerten die Wege um die Schneekoppe herum, und wir blieben nur kurz auf der Koppe. Über den Zick-Zack-Weg ging es vorbei an dem Schlesier Haus in westlicher Richtung den Kamm entlang. Immer wieder hielten wir an, um einen Blick zurück auf die Schneekoppe zu werfen.

Als nächstes sahen wir dann die Hampelbaude und etwas später den Kleinen Teich mit seiner Baude. Einfach toll der Blick herunter. Zu unserem Glück konnten wir an einem kleinen Quellbach unsere Trinkflaschen wieder auffüllen, da wir unseren Durst bei diesem Wetter ein wenig unterschätzt hatten.
Am Mittagstein machten wir eine längere Pause, da wir alle ziemlich geschafft waren. Auf dem restlichen Weg zur Spindlerbaude eilte dann die Jugend unaufhaltsam voraus. Als Doris und Jochen mit dem Rest der Truppe erschöpft, aber überglücklich an der Erlebachbaude ankamen, wurden sie von den Anderen begeistert empfangen. Den Rest des Abends ließen wir bei kühlen Getränken und leckerem Essen auf der Terrasse, die extra für uns geöffnet wurde, ausklingen.

17.7.2007

Um uns ein wenig zu erholen, beschlossen wir, in Jochens Heimat zu fahren. Als erstes fuhren wir nach Hirschberg. Dort zeigte Jochen seinen Enkelkindern das Haus, in dem er geboren wurde. Während eines Bummels durch die Altstadt zur Gnadenkirche bestand für uns die Möglichkeit, noch Bunzlauer Porzellan und Postkarten als Andenken zu kaufen.

Danach ging es, in Gedanken an die Uroma Charlotte, nach Berthelsdorf zu ihrem Geburtshaus. Da sich im Hof eine Frau mit einem kleinen Kind aufhielt, versuchte Jochen, Kontakt aufzunehmen. Da aber nur der kleine Sohn Deutsch konnte und dieser sich aber bei unserem Anblick ( 14 Leute auf einmal ) schämte, mit uns zu sprechen, blieb es leider nur bei einem Versuch. Anschließend ging es weiter zur Friedhofskapelle, wo wir eine Kerze für Oma Charlotte aufstellten. Auf meinen Wunsch hin fuhren wir dann noch zum ehemaligen Gasthof Schmiedel, wo sie einst die Hochzeit mit ihrem Fritz gefeiert hatte. Ich wollte noch einmal ein Bild mit der Perspektive ihres Hochzeitfotos machen. Dort kam es dann zu einer Begegnung, die die meisten von uns sehr berührt hat. Wir trafen eine ältere Frau, die spontan auf uns zukam. Im Gespräch stellte es sich heraus, daß sie eine Deutsche war und seit dem Kriegsende in Berthelsdorf lebt. Da sie seit vielen Jahren die einzige Deutsche im Ort ist, hatte sie nun endlich einmal wieder die Gelegenheit, ihre Muttersprache zu sprechen. Es war wirklich ein sehr bewegender Moment, über den wir im Auto noch lange gesprochen haben.

Von Berthelsdorf ging es zum Tiroler Haus nach Erdmannsdorf, wo wir unsere Mittagsrast einlegten. Jochen und ich fuhren von dort noch kurz zum Donat-Gedenkstein, um eine schöne Sonnenblume niederzulegen. Nachdem wir wieder bei den anderen waren, machten wir uns auf den Heimweg. Aufgrund des sehr warmen Wetters war die Fahrerei doch sehr anstrengend, und wir waren alle froh, wieder auf der Erlebachbaude zu sein.

18.7.2007

In der Nacht hatte es ein kurzes Gewitter mit starkem Regen gegeben. Am Morgen klarte es aber zunehmend auf und wir machten uns auf den Weg zur Weißwassergrundbaude. Vorbei an den Leierbauden ging es, immer bergab, zum Weißwassergrund. An einem Spiel- und Rastplatz machten wir eine kleine Pause, damit die Kinder ein wenig überschüssige Energie ablassen konnten. Danach ging es leicht bergan zur Baude. Nach einer ausgiebigen Mittagspause vergnügten sich die Kinder auf den Steinen im Wasser. So ein Gebirgsbach mit seinen großen Felsen ist einfach optimal zum Spielen. Auf dem Rückweg trennte sich die Truppe. Ein Teil ging noch durch den Teufelsgrund und dann zurück zur Erlebachbaude.

19.7.2007

Heute teilte sich die Gruppe zum ersten Mal schon am Anfang auf. Ohne die Ältesten, die Jüngste und einem Verletzten ging es auf die längste Wanderung, und zwar zur Elbquelle. Von der Erlebachbaude marschierten wir an der Peterbaude vorbei zu den Mädelsteinen. Den Kindern war der Anstieg wohl nicht anstrengend genug. Sie stürzten sich gleich auf die Steine und übten sich im Felsklettern, was einigen von uns Erwachsenen nicht so sehr behagte. Kurz danach kamen die Mannsteine, die die Kinder wiederum in Beschlag nahmen. Am Abzweig zur Martinbaude konnten wir der Verlockung der dort aufgestellten Bänke nicht widerstehen und legten die erste größere Rast ein. Gut gestärkt ging es danach weiter zur Schneegrubenbaude, die wir auf dem Weg immer wieder mal sehen konnten. Der Blick in die Tiefe ist schon imposant und hat durchaus alpinen Charakter. Kurz vor den Schneegruben konnte man auch zum ersten Mal die Elbquelle sehen. Dies war ein weiterer Motivationsschub für die Kinder, denn sie wussten: von dort geht es wieder nach Hause!

An der Elbquelle füllten wir uns erst einmal unsere Wasserflaschen auf und stellten fest, daß das Elbwasser hier oben besser schmeckte als das gekaufte Wasser. Ob die Hamburger sich das vorstellen können? Es ging jedenfalls weiter zur hübsch- hässlichen Elbfallbaude, wo wir Erwachsenen uns ein kühles Bier gönnten, und die restlichen Vorräte von allen verzehrt wurden. Anschließend ging es auf einem schönen Waldweg, vorbei am Elbfall, den wir mangels Wasser aber gar nicht registriert hatten, zur Martinsbaude, wo der Rest der Truppe bereits auf uns wartete. Der war nämlich auf direktem Weg von der Erlebachbaude hierhin gelaufen. Da laut Aussage der bereits Anwesenden das Essen nicht mehr so gut wie früher war, tranken wir alle nur etwas und machten uns auf den Heimweg, wohl wissend der uns erwartenden reichhaltigen Speisekarte. Schade eigentlich, denn ich fand die Martinbaude recht gemütlich, wenn man mal vom Wirt absieht, der eher in eine Nachtbar gepasst hätte.

20.7.2007

Auf Wunsch einer einzelnen Person, die dann doch einen Rückzieher machte, wurde für den letzten Tag noch eine Alternativwanderung angeboten. Die Schwächeren gingen noch einmal auf direktem Weg zur Weißwassergrundbaude, da die Kinder endlich einmal baden wollten. So waren es schließlich nur noch Anja, Bettina und ich, die diese Alternative annahmen. Wir marschierten über die Spindlerbaude zu den Mittagsteinen, wo wir auf der vom RGV errichteten Körber-Steinbank noch ein letztes Mal den Blick über das Hirschberger Tal gleiten ließen. Vorbei am Großen und Kleine Teich ging es dann in zügigem Tempo zur Wiesenbaude, wo wir eine kurze Rast einlegten, um dann den schönsten Weg der diesjährigen Tour hinunter zur Weißwassergrundbaude zu gehen. Bevor es vom Hochmoor in den wunderbaren Wald ging, hatten wir noch einen letzten Blick auf die Schneekoppe.

An der Baude angekommen waren die Anderen überrascht, uns schon so früh zu sehen. Zum Abschluss unserer Riesengebirgsfahrt gingen die meisten von uns noch einmal im Weißwasser baden. Herrlich, wenn man im eiskalten Wasser untertaucht! Man fühlt sich wie neu geboren.

Nach einem frühen Abendessen saßen wir noch einige Zeit draußen vor der Baude und ließen die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

Es war eine wunderschöne Zeit, die wir alle sehr genossen haben und die uns allen unvergesslich bleiben wird.

Berg Heil
Dirk Bruchhausen